Superpenner – Seine Muskeln sind fester als sein Wohnsitz

„Haben Sie vielleicht Interesse am Straßenmagazin? Mit dem Kauf unterstützen Sie Obdachlose in Berlin. Oder mit einer kleinen Spende für einen obdachlosen Menschen. Straßenmagazin kostet 1,50€, hat jemand Interesse?“ (Quelle RBB)

Diesen Satz hört man in den öffentlichen Verkehrsmitteln der größeren Städte Deutschlands häufig. Oft auch mehrmals täglich. Das stumpft (leider) ab. Vielen sind die Verkäufer lästig, bzw. das Produkt durch die vielen Wiederholungen schon vermeintlich bekannt. Um genau dies zu ändern haben sich die Werber von Scholz & Friends, für die Obdachlosenzeitung Straßenfeger aus Berlin, in diesem Monat etwas besonderes überlegt. Sie haben aus den Betroffenen bzw. ihrem Stereotyp einen Comichelden gemacht, den „Superpenner“.

Dieser steht den klassischen Marvel & DC Helden in nichts nach. Er hat einen ultrabösen Erzfeind und seine Superkraft erhält er durchs einen Trank den er unabsichtlich aus einer vermeintlichen Altglasflasche zu sich nimmt. Danach wirkt Bier für ihn wie für Asterix der Zaubertrank und er hat übermenschliche Kräfte. Solch eine Story macht natürlich noch lange keinen guten Comic. Das Besondere an dieser Geschichte ist der zum Teil wunderbar böse Humor mit dem ausnahmslos alle Klischees, die Berlin und seinen Bewohnern nachgesagt werden, einfließen.
Der eigentlich Coup des Ganzen ist allerdings einen absoluten Außenseiter der Gesellschaft nicht zum ikonisierten Helden zu machen, sondern seine täglichen Probleme auch weiterhin aufzuzeigen. Der Superpenner hat auch als Held keine Bleibe und die Gesellschaft sieht in ihm weiterhin den Obdachlosen mit der Fahne. Damit wird ganz deutlich vermittelt was einem eigentlich klar sein sollte: Jeder Mensch sollte auch als solch einer gesehen werden, mit den Stärken und Schwächen die er hat.
Dies erklärt auch warum das Comic bei den Verkäufern wohl zum großen Teil positiv aufgenommen wird. Kritikpunkte sind aber natürlich bei solch einem polarisierenden Thema nicht auszuschließen. Besonders die Bezeichnung als „Penner“ stößt manchen verständlicherweise auf. Auch der suggerierte Alkoholismus könnte dazu beitragen ein falsches Bild der Straßenfeger Verkäufer zu festigen, befürchten einige.

Nichtsdestotrotz denke ich das die Sozialkritik und vor allem die Strahkraft des Comics und damit des Themas an sich gut abgebildet werden. Aufmerksamkeit für ein solch schwieriges und oft verdrängtes Problem ist wichtig und überwiegt ganz klar die dabei entstandene stereotypische Überspitzung der Betroffenen.

Die Ausgabe scheint übrigens ein voller Erfolg zu sein. Die Verkäufer können keine neuen Comics beim Straßenfeger mehr nachkaufen, sie sind bereits alle verkauft.


MADE YOU LOOK BEI FACEBOOK

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.