Nachgehakt: Webserie „Shore, Stein, Papier“ im Interview

Es gibt mal wieder ein neues Format hier bei uns auf dem Blog. In Zukunft werden wir euch nach der Freitagsmusik nun eine weitere feste Kategorie präsentieren: „Nachgehakt“. Wie der Name schon vermuten lässt handelt es sich um Interviews. Hierbei versuchen wir euch einen guten Mix an Themen und Persönlichkeiten zu bieten.
Den Anfang machen die Produzenten von zqnce (gesprochen „Sequence“) die mit der Webserie „Shore, Stein, Papier“ für Aufsehen sorgen – völlig zu Recht!

Über einen Freund kam vor ein paar Monaten die Empfehlung zu der Webserie „Shore, Stein, Papier“. Neben dem ungewöhnlichen Thema, war für mich zuerst auch der Bezug zu meiner Heimatstadt Hannover interessant. Allerdings wird das für Viele recht abstrakte Thema Heroinsucht und der damit verbundene Lifestyle von dem sehr charismatischen Erzähler schnell zugänglich und unglaublich interessant. Der Zuschauer bekommt einen Einblick was es heißt mit dieser Sucht und den Folgen zu leben, aber vor allem wie ereignisreich oder eben auch normal ein solches Leben streckenweise doch ist.

Dieses dokumentarische Filmformat ist sicherlich in dieser Art einzigartig und spiegelt zeitgleich die Möglichkeiten des Videokonsums der Post-TV Ära junger Menschen wieder. Durch das reduzierte Setting wird dem (namenlosen) Protagonisten viel Raum geboten, was sich auf voller Linie auszahlt. Daher sind auf dem Youtubekanal von „Shore, Stein, Papier“ auch bereits über 60 Folgen zu finden und die Fanbase auf Youtube und Facebook wächst beständig.
Nachdem Mitte März die erste Staffel ausgestrahlt war, haben wir uns mit den Produzenten der Serie von zqnce über das Format und die Hintergründe unterhalten:

MYL:
Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Thema gekommen? Was gab den Anstoß?

Zqnce:
Über einen Bekannten haben wir von seiner Geschichte gehört und hielten sie von Anfang an schlicht für erzählenswert. Schließlich ergab sich im letzten Jahr durch zqnce die Möglichkeit, es als Videoformat zu produzieren und wir haben den Kontakt wieder hergestellt. Schnell waren wir uns mit dem Protagonisten einig und gingen ohne große konzeptionelle Vorarbeit an die Umsetzung, wo sich die Leitfrage entwickelte:
„Wie schaffen wir eine ungezwungene Atmosphäre, in der seine Erinnerung ihren entsprechenden Raum bekommt?“ Nach ein wenig hin und her Probieren entstand schließlich das vorliegende Format.

MYL:
Das Format ist sehr erfolgreich trotz schwierigem Thema. Welchen Grund seht ihr da?

Zqnce:
Die Art der Resonanz ist sicherlich ein großer Erfolg. Und die vielen positiven Bewertungen und Kommentare, und vor allem die (zumeist) gute Diskussionskultur unter den Usern, freuen uns sehr.
Man kann sagen, es ist ein großartiger Anfang gelungen.
Es ist momentan schwer konkrete Gründe dafür zu benennen.
Wir stecken noch voll in der Produktion und den weiteren Planungen, weshalb wenig Zeit und Raum bleibt, um darüber im Detail nachzudenken. Doch eines ist für uns eindeutig: Das Format wird von unserem Protagonisten getragen.
Gegenstand der Doku-Serie ist schließlich seine Vergangenheit, die er uns offenbart und mit der er sich auseinandersetzt.
Seine Art des Umgangs mit dieser Vergangenheit, sein Humor und sein Erzähltalent, machen es dem Zuschauer leicht, sich ihm und seiner Geschichte zu nähern
und das Format damit zu einem aufrichtigen, lebhaften Gespräch unter Menschen.
Ein Gespräch über Erfahrungen aus einem Leben, welches Geschichten bereithält, die viele sonst nur aus dem Fernsehen kennen, die aber täglich um uns herum passieren.

MYL:
Wie sind die Reaktionen auf das Format. Gibt es Reaktionen die das Format als zu krass oder zu Drogenverherrlichend sehen?

Zqnce:
Alle uns bekannten Pressereaktionen sprechen von Realismus.
Und das ist es auch worum es uns nur gehen kann, die Abbildung seiner Lebensrealität  und Drogen spielen dabei offensichtlich eine entscheidende Rolle genauso wie die Gründe dafür und die negativen Auswirkungen.
In den Kommentaren unter den Videos gab es zu Beginn der Serie auch diese Diskussion, Aufklärung oder Verherrlichung kamen da vor. Das wurde dann unter den Usern ausdiskutiert, und hat sich, trotz steigender Userzahl, im Laufe der 1. Staffel erschöpft.
Genauso gibt es übrigens Kommentare von Usern mit einer ähnlichen Lebensgeschichte, die schreiben, dass es ihnen Kraft gibt und sie den Mut bewundern, dass er so offen darüber redet.  
Was auch zeigt, dass es scheinbar verschiedene Zugänge zu dem Format gibt.

MYL:
Es gab bereits diverse Fake-Vorwürfe, was bei so einer krassen Geschichte auch nachvollziehbar ist. In den Kommentaren unter den Videos werden immer mal wieder Zweifel zur Authentizität geäußert. Gibt es irgendwelche Belege oder Nachweise die das Erzählte untermauern?

Zqnce:
Auch wir standen zeitweise ungläubig vor dem, was sich dann in den Vorgesprächen als seine gesamte Geschichte vor uns auftat. Und der Zuschauer steht noch am Anfang.
Wir haben dann begonnen seine Geschichte so gut es geht anhand von Quellen zu rekonstruieren.
Als persönliche Dokumente liegen uns zum Einen die Briefe an seine Mutter aus dem Gefängnis vor, die Sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Zum Anderen haben wir einen Teil der angeforderten Strafakten von den entsprechenden Staatsanwaltschaften erhalten und die Anforderungen laufen weiter. Alles wird uns vermutlich nicht zugänglich werden und einiges nur noch ein Aktenzeichen bleiben.
Darüber hinaus haben wir inzwischen einen Großteil der Zeit, anhand von Presseartikeln aufgearbeitet, und dabei auch Artikel gefunden, die ihm eindeutig zuzuordnen sind.

MYL:
Welche Rolle spielte bei eurer Planung/Umsetzung die Nutzung von Social Media? Liegt es auch daran, dass ihr hier auch eher euer Zielpublikum (evtl. Jugendliche) findet?

Zqnce:
Die Nutzung von Social Media ist generell eine wichtige Komponente der Verbreitung im Netz und spielt nicht nur speziell für das Format eine Rolle.

MYL:
Wie sieht die Zukunft des Formats aus? Gibt es Planungen über die zweite Staffel hinaus?

Zqnce:
So viel sei gesagt:
Im Prinzip steht der Zuschauer gerade erst am Auftakt der Geschichte und mit der 2. Staffel  wird nochmal eine andere Intensität erreicht, mit der es nicht enden kann und auch noch lange nicht endet.
Aber keine Sorge, wir sagen rechtzeitig Bescheid! 

MYL:
Besten Dank und euch noch viele erfolgreiche Staffeln!

Noch mehr Infos zu der Serie an sich findet ihr hier bei der Zeit und hier bei der SZ oder ihr guckt einfach drauf los!

2 comments

  1. Ich kann nur sagen, dass ich süchtig danach bin jeden Mittwoch etwas Neues von ihm zu erfahren!!!
    Die Sendung gehört mittlerweile schon fest in unsere Mittwochabendplanung. Die Geschichten die er erzählt sind einfach fesselnd und authentisch erzählt. Storys aus einem Leben, von dem ich sonst in der Form und Tiefe nie erfahren hätte. Klasse und absolut empfehlenswert!

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