Kilian Martin again…

So langsam fängt der gute Kilian
Martin schon an zu nerven. War man als 16-Jähriger schon euphorisiert, dass man
einen Pop Shove-it oder Kickflip halbwegs erfolgreich auf seinem Brett zur
Vollendung brachte, ohne dieses gleichzeitig kaputt zu treten. So bringt der 25-jährige
Spanier mit Wohnsitz in Oceanside, Kalifornien ganz andere Schoten auf die
Bretter, die die Welt bedeuten: Da wo andere ihre Beine verknoten würden, zeigt
er Oldschool-Tricks gepaart mit dandyhaften Skate-Tanzeinlagen, die nun
schon seit mehreren Jahren sein Markenzeichen sind. Wenn dann noch ein Typ wie Stacy
Peralta – Skate-Legende und Mitglied des Zephyr-Teams – ihn als „den
beeindruckendsten Skater der letzten Jahrzehnte“ bezeichnet ist wirklich alles
gesagt. Señor Martin is a fucking genius! Natürlich könnte man hier auch über
den Ausverkauf des Skateboardings im Zusammenhang mit dem Sponsoring eines
seiner Videos von Mercedes Benz reden – aber, man kann es auch sein lassen. Denn das
was Martin zeigt, ist einfach zu gut!

Interview von Hadass Haack mit Kilian Martin

Was hast du ursprünglich studiert?
Ich habe Marketing und ein bisschen Grafikdesign studiert, aber irgendwann ist mir das zu viel geworden, weil ich nebenbei noch geskatet und gearbeitet habe, um meine Mutter unterstützt habe.

Aber das erworbene Wissen hilft dir sicher bei deinem neuesten Unterfangen.
Kilian Clothing – ja, das stimmt. Wir entwerfen T-Shirts, Hemden und später auch Jacken, alles im Retro-Stil – du weißt, ich mag den Look von damals. Ich habe der Marke meinen Namen geliehen und bin Artdirektor.

Du wirkst sehr fit und selbstsicher auf dem Board – wie trainierst du für deine Skate-Sessions und Stunts?
Ich skate oft stundenlang. Im Fitnessstudio würde ich mich nur langweilen, aber Surfen und Turnen machen mir immer noch Spaß. Mehr brauche ich nicht, um fit zu bleiben.

Mittlerweile bist du dauernd unterwegs. Wie würde dein Traumurlaub aussehen?
Kann ich noch nicht sagen – dafür bräuchte ich erst einmal die perfekte Reisebegleitung.

Wenn du vier Leute zum Essen einladen könntest (auch Tote sind willkommen), wer würde dann an deinem Tisch sitzen?
Bruce Lee, Patrick Watson, Sean Astin und Pat Morita.

Was tust du als Erstes nach dem Aufstehen?
E-Mails checken, Musik an, Müsli essen.

Wie würdest du dich selbst in fünf Worten beschreiben?
Enthusiastisch, engagiert, energiegeladen, hartnäckig, nostalgisch.

Regisseur Brett Novak betritt fluchend den Raum, das Telefon noch in der Hand. Spätestens jetzt kommt die irische Abstammung zum Vorschein. Die beiden traten bei einem Wettbewerb gegeneinander an, wo er Kilian unterlegen war. Eigentlich gar nicht schlecht, denke ich, denn jetzt sind die Rollen klar verteilt und die Ergebnisse umso glorreicher. Und Brett verbringt auch beim Filmen genug Zeit auf dem Skateboard, um seinem Hauptdarsteller mit der Kamera (einer Panasonic HVX200) zu folgen. Er kommuniziert gerne und gut und klinkt sich nun in unser Gespräch ein.

Was denkt ihr ist euer Erfolgsrezept?
Kilian: Uns ist das Einzigartige wichtig, und wir haben beide eine ausgeprägte Liebe zum Detail.
Brett: In der Skater-Filmszene gelten wir als künstlerische Rebellen. Obwohl unsere Clips nicht unbedingt bahnbrechend anders sind, entsprechen sie sicher nicht der Norm. Ab und zu gibt es Kommentare wie „Ich will hier keine driftenden Herbstblätter sehen“, aber genau dieser künstlerische Ansatz beschert uns letztendlich ein größeres Publikum. Denn wenn Kilian vor toller Kulisse einen Handstand auf zwei Skateboards hinlegt, dann ist auch der Mainstream begeistert.

Ihr habt also Skaten dem Mainstream nähergebracht?
Brett: Ich, denke, der Mainstream hat unseren Skate-Stil dem Mainstream nähergebracht – und das ist uns gerade erst klar geworden.

Mein Satz klang besser.
Brett: Aber meiner war wesentlich bescheidener (Gelächter – bescheiden ist er tatsächlich). Vielleicht haben wir Skaten nebenbei auch dem Mainstream nähergebracht. Das lag aber nicht in unserer Absicht. Als wir unser erstes Video, „Skate Escalation“ gedreht haben, wollten wir (… wie bei einem alten Ehepaar vervollständigt Kilian seinen Satz) wollten wir einfach nur ein echt cooles Video drehen. Wir haben es für uns selbst gemacht und aus eigener Tasche bezahlt.
Brett: Wir haben gern absolute kreative Kontrolle. Je mehr Leute beteiligt sind, desto weniger befriedigend ist oft das Ergebnis.

Danke, dass ihr mich trotzdem mitgenommen habt… kracht es bei euch auch mal so richtig?
Brett: Wir sind in erster Linie Geschäftspartner, die sich zufällig auch noch gut verstehen. Wir sind kein Paar, und das hilft natürlich (lacht). Auf Shootings verbringen wir jede Minute miteinander, aber danach sehen wir uns vielleicht monatelang gar nicht.

Muss man selbst ein guter Skater sein, um einen großartigen Skater zu filmen?
Brett: Es hilft auf jeden Fall. Mein Regie- und Filmstil unterscheidet sich stark von anderen, die ein Fischaugenobjektiv verwenden. Sie halten einfach drauf, hoffen aufs Beste und bekommen als Ergebnis das ganze Bild, in dem alles ein bisschen größer aussieht. Ich nutze andere Objektive und kann dadurch viel kreativer vorgehen. Kilian skatet gern kreativ, ich filme gern kreativ.

Und was haltet ihr von eurem aktuellen Video, insbesondere im Vergleich zu seinen Vorgängern?
Kilian: Ich finde es großartig, wie sehr wir uns seit „Escalation“ weiterentwickelt haben. Dieses, neue Video zeigt wirklich die Leidenschaft, die wir beide für unser jeweiliges Metier haben. Wir sind mittlerweile Geschichtenerzähler geworden, die hoffentlich andere inspirieren. Für mich ist Skateboarden etwas sehr Starkes, Kraftvolles. Es löst viele verschiedene Emotionen in mir aus. Und wer sich dieses Video anschaut, weiß danach ganz genau, wie sehr ich das Skaten liebe.

Und was steht als nächstes auf dem Plan?
Brett: Schlafen?!
Kilian: Wir planen gerade ein Projekt in Österreich.
Brett: Wir wollen uns künstlerisch immer weiterentwickeln. Deshalb haben wir uns auch total auf diese Location und das Auto gefreut, weil sich das Vorgehen so sehr von unseren anderen Arbeiten unterscheidet. Ihr habt uns quasi gezwungen, kreativer zu werden!

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